29.07.2011 | 150 Jahre Liberalismus

150 Jahre Liberalismus FDP Hanau erinnert an die Ursprünge des Liberalismus

Mit den Worten „Liberalismus ist eine Lebenseinstellung. Sie steht für die Bewahrung der Bürgerrechte und einer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die auf dem Primat der Freiheit aufbaut“, begründet der FDP-Vorsitzende in Hanau, Dr. Ralf-Rainer Piesold, die Frage, warum sich der Liberalismus solange als politisch, gestaltende Kraft in Deutschland hat halten können. Am 9. Juni 1861 wurde in Berlin die Deutsche Fortschrittspartei (DFP) gegründet. Sie war die erste politische Partei Deutschlands und wurde noch vor der SPD gegründet. Die DFP gilt als die Wurzel der heutigen FDP. Da die Vorgängerorganisation der SPD, der ADAV, 1863 und die Vorgängerpartei der CDU, das Zentrum, 1870 gegründet wurden, kann man davon ausgehen, dass die FDP wahrscheinlich auf der ältesten Partei basiert. Untrennbar mit der Gründung der Deutschen Fortschrittspartei in Hanau ist der Name des Hanauer Ehrenbürgers Johann Heinrich Nickel, der von 1829 bis 1908 lebte, verbunden. Er gehörte erst der DFP und ab 1884 der Deutschen Freisingen Partei an. Er war Vizebürgermeister in Hanau, Landtagsabgeordneter und Reichtagsabgeordneter. Er war als liberaler Politiker in Hanau sozusagen der politische Gründungsvater des organisierten Liberalismus. 

Aber auch der von 1887 bis 1893 gewählte Oberbürgermeister, Albert Westerburg, war Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei und dann der Deutschen Freisingen Partei, die die Folgepartei der DFP war. Westerburg initiierte die Planungen des Hanauer Hafens und hat in der Zeit der Industrialisierung wesentliche Infrastrukturmaßnahmen eingeleitet. Auch als die Deutsche Freisinnige Partei 1918 in die Deutsche Demokratische Partei überging, hörte die Geschichte der Liberalen in Hanau nicht auf. Vielmehr stellte die DDP von 1921 bis 1933 den überaus populären Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum. Mit dem Namen Dr. Blaum sind Projekte wie die Vollendung des Hanauer Hafens oder der soziale Wohnungsbau am Beethoven-Platz verbunden. Hanau wandelte sich in seiner Amtszeit in eine moderne Industriestadt. Die Weimarer Republik fand ein ungutes Ende. Sowohl die DDP als auch die DVP, die Partei Gustav Stresemanns, verloren auch in Hanau fast vollständig ihren Einfluss bis 1933 und lösten sich freiwillig auf. Nach dem Krieg kehrte Dr. Blaum 1945 kurz als kommissarischer Oberbürgermeister nach Hanau zurück. Auch sein Nachfolger in Hanau Karl Molitor gehörte der der DDP an. Er hatte den Ehrendienst zum Wiederaufbau Hanaus aus der Taufe gehoben. Mit der Wiedergründung der LDP 1946 durch Johann Thönnissen wurde die Tradition des Hanauer Liberalismus fortgesetzt. 1948 wurde die LDP in F.D.P. umbenannt und war kommunal 1948 und 1952 mit Wahlergebnissen um die 20% recht erfolgreich. Johann Thönnissen, der 1954 verstarb, und später Hans Krüger vertraten die Liberalen im Magistrat. 1968 begann mit der Ära Werner Dausien – dem späteren Ehrenvorsitzenden der FDP Hanau und Schulfreund von Hans-Dietrich Genscher - und Günter Schmidt – dem ersten Kreisvorsitzenden des Main-Kinzig-Kreises und ehrenamtlichen Stadtrat in Hanau - mit einem Wahlergebnis von 11 % eine neue Zeit für die F.D.P. Es kam zu Koalitionen 1974 bis 1977 mit der SPD und 1981 bis 1985 mit der CDU. Mit Dr. Axel Gleue konnte die F.D.P. 1981 den ersten liberalen hauptamtlichen Stadtrat nach dem Kriege stellen. In den 70er und 80er Jahren hatte sich die FDP für die Otto-Hahn-Schule, Pro Familia, dem Frauenhaus und die Umgestaltung des Marktplatzes eingesetzt und diese realisiert. Auch im Kreistag hatte sie durch ihre Vertreter, Dr. Gerhardt Morlock und Ottomar Kaiser, erheblichen Einfluss auf die Politik. 2001 kam die FDP wieder ins Parlament und wurde 2006 mit einem Zuwachs von 7% mit ca. 12 % zur dritt stärksten Partei gewählt. Auch wenn die Liberalen bei der letzten Kommunalwahl einen herben Rückschlag erleiden mussten, geht man davon aus, dass sich die Liberalen in Hanau auch wieder steigern werden, „denn wer 150 Jahren Höhen und Täler durchschreiten durfte und musste, fußt auf Werten, wie der Wunsch nach Freiheit, der fest in unserer Gesellschaft verankert ist“, meint abschließend der Dr. Piesold.